Raum und Hintergrund für diese Entwicklung gab Wien als eine Stadt mit einer vielschichtigen Musikkultur, die eine Vielfalt an musikalischer Produktion verlangte. Waren Paris (Oper) und London (öffentliches Konzert) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst noch die tonangebenden Musikstädte Europas, so erlangte Wien vor allem mit der Glorifizierung Mozarts nach dessen Tod und dem Zuzug Beethovens eine europäische Vormachtstellung. Mozart hatte bis dahin eher als eine Wiener Größe gegolten; Beethoven sah Wien bereits als das erstrebenswerte Ziel seiner Karriere an. Hellsichtig formulierte diesen Umstand sein Gönner Graf Ferdinand Ernst Gabriel von Waldstein: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart's Geist aus Haydens Händen.“

Entscheidend für die Konstitution einer „Wiener Klassik“ waren die Jahre nach Mozarts Übersiedelung nach Wien. Hier bildete sich die kompositorische Interaktion zwischen Joseph Haydn und Mozart heraus, beginnend mit der gegenseitigen Anregung zur neuartigen Komposition von Streichquartetten und weitergeführt bei der Etablierung der Symphonie als publikumswirksamste Gattung der Zeit.